Es ist 4 Uhr, 10 Minuten und 5 Sekunden morgens. Es regnet. Ich werde wach von den Gesängen, die aus der benachbarten Pagode hallen. Die ersten Kambodschaner ehren ihre verstorbenen Vorfahren, indem sie den Mönchen Speisen und Geld übergeben. Weitere zehn Tage lang feiern die Buddhisten „Pchum Ben“ und rauben mir den Schlaf. Mein Kopf dröhnt, der Rücken schmerzt und Gedanken an die Arbeit verknoten sich in meinem Kopf. Da weiß ich: „Er ist wieder da, der Phnom-Penh-Kater.“ Es handelt sich um eine eingebildete Krankheit, die jeder Auswanderer hier kennt und fürchtet.

Blog Sarah ThustDie Auslöser

678,46 Quadratkilometer und 1,5 Millionen Menschen, das macht 2.213 Menschen pro Quadratkilometer. Zum Vergleich: In Berlin leben 3.942 Einwohner auf einem Quadratkilometer. Ich behaupte also nicht, dass Phnom Penh überbevölkert ist. Im Gegenteil, Phnom Penh ist ein Dorf. Tatsächlich konzentriert sich das Leben (der Ausländer) auf vier Bezirke: Daunh Penh, Tuol Kork, Chamkar Morn und 7 Makara. Das macht 32,24 Quadratkilometer. Selbst das Tor zur Insel Rügen an der Ostsee, Stralsund, ist größer. Das hat zur Folge, dass Freizeitgestaltung und neuen Begegnungen enge Grenzen gesetzt sind.

Traffic in Cambodia

Ein weiterer Faktor ist die konstante Geräuschkulisse von Baustellen, Verkehr und Touristen in der boomenden Stadt. Im Jahr kommen 1,27 Millionen Besucher nach Phnom Penh. Nachdem das erste Hochhaus, der Golden Tower 42, erst im April 2011 erbaut wurde, hat die Stadt einiges nachholen müssen. 2008 begann die Planungsphase, der Tower sollte das Verbot brechen, wonach kein Gebäude höher als der Königspalast sein durfte. Vier Jahre danach stehen 12 weitere Hochhäuser. Geplant sind 50 Gebäude mit mehr als 10 Stockwerken, sieben mit mehr als 20 und das höchste Gebäude wird der Vattanak Capital Tower 1 mit 39 Stockwerken sein. Zudem sind in Phnom Penh 562.623 Motorräder gemeldet, 1.137 Fahrzeuge mit drei Rädern und 3.336 Motorräder mit Anhängern (Tuk Tuks o.ä.).

Die Symptome

Es kommt der letzte Schritt zum Phnom-Penh-Kater: Armut neben stinkendem Reichtum, Korruption neben erfolgreichen und arroganten Geschäftsmännern, Prostitution neben Sextouristen, westliche Arroganz zwischen kambodschanischer Gelassenheit. Wer sieht, was um ihn passiert, der beginnt seine Nervenenden zu spüren. Die Motivation zum Arbeiten sinkt und unvernünftige Entscheidungen nehmen die Überhand. Gefolgt von typischen Stresssymptomen.

Die Behandlung

Raus! Koffer packen und raus auf’s Land in Kambodscha. In Dörfer, weg von den Touristen. Es gibt zahlreiche Angebote in einheimischen Dörfern zu übernachten und damit die Bewohner zu unterstützen. Und wenn man danach wieder nach Phnom Penh kommt, dann freut man sich auf seine Heimat.