Neues aus Kambodscha: Ein See verschwindet, Aktivist wird Opfer der Wahrheit, Internet-Pirat zu verkaufen, die Wahlen nahen, Autos made in Cambodia uvm. Das waren die Top-Themen aus Südostasien im Wochenrückblick.

Blog Sarah ThustEin See verschwindet – der Zweite in nur wenigen Jahren. Mehr als 700 Familien sollen am 2.600 Hektar großen Boeung Tumpun leben im Süden Phnom Penhs. Das Gebiet soll entwickelt werden, aber die Gemeindebehörde soll nach wie vor den See besitzen. Der Gouverneur Phnom Penhs Kep Chuktema hat im Juli gesagt, dass die Regierung für den See Boeung Tumpun ähnliches plant wie für Boeung Kak. An dem See im Norden der Stadt verloren hunderte Familien ihre Grundstücke und Häuser an ein privates Unternehmen für magere Entschädigungen.

Opfer der Wahrheit wurde der Reporter Hang Serei Oudom von der Zeitung „Vorakchun Khmer Daily“ am vergangenen Sonntag. Die Polizei verhaftete einen Militärpolizisten für den Mord an dem Journalisten, der zu illegalen Holzgeschäften recherchierte. Im Haus des Manns seien eine blutgetränkte Decke und die Schuhe des Opfers gefunden worden, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Freitag. Das Opfer wurde laut Polizei in der kambodschanischen Provinz Ratanakiri ermordet im Kofferraum seines Autos entdeckt. Ende April war der Umweltaktivist Chhut Vuthy von einem Polizisten erschossen worden, weil Luftaufnahmen der Abholzungen in der südwestlichen Provinz Koh Kong machte.

Internet-Pirat zu verkaufen! Kambodscha hat den Mitbegründer der umstrittenen Internet-Tauschplattform The Pirate Bay nach Schweden abgeschoben. Dafür gab’s eine großzügige Dankesspende in Höhe von 59 Millionen Dollar wie mehrere Medien bestätigen. Gottfrid Svartholm Warg verließ das Land am vergangenen Montagabend mit einem Flugzeug nach Bangkok. Der 27-Jährige wurde wegen schwerer Urheberrechtsverletzungen mit internationalem Haftbefehl gesucht. Warg war 2009 mit seinen Partnern in Schweden wegen Beihilfe zur Verletzung des Urheberrechts verurteilt. Ihm drohen nun ein Jahr Haft und eine Geldbuße in Höhe von 2,75 Millionen Euro.

Eine umstrittene Freilassung war die der ranghöchsten Vertreterin des Rote-Khmer-Regimes Ieng Thirith. Das Gericht hat die 80-jährige Ex-Sozialministerin in der vergangenen Woche für prozessunfähig erklärt. Seit Monaten diskutiert die Öffentlichkeit über die  Verantwortlichen für den Genozid. Beobachter haben den Verdacht, dass Premierminister Hun Sen, der damals selbst für das Terrorregime gearbeitet hat, kein Interesse an weiteren Verhandlungen und Nachforschungen hat. Zwischen den kambodschanischen und internationalen Angestellten des Internationalen Gerichtshofs kam es ebenfalls häufiger zu Spannungen und Korruptionsvorwürfen. Die Kosten für die Prozesse stiegen seit 2006 von 56,3 Millionen auf 150,3 Millionen US-Dollar. Laut einer Pressemitteilung hat Deutschland das Tribunal bis 2010 mit insgesamt 7,8 Millionen Euro unterstützt.

Rebell Sonado ist als Direktor des kritischen Radiosenders Beehive bekannt geworden. Nachdem Premierminister Hun Sen die Asean-Konferenz in Kambodscha beendet hatte, wurde Radiojournalist Mam Sonado in Phnom Penh verhaftet. Er ist angeklagt wegen Revoltierens und Anstiftung zum Widerstand gegen die Staatsgewalt. In der Provinz Kratie soll er im Mai einen Protest gegen Zwangsräumungen für eine neue Gummiplantage angeführt haben. Am letzten Protesttag schossen Polizisten auf eine Gruppe mehrerer Familien und töteten dabei ein 14-jähriges Mädchen.

Die Wahl haben im kommenden Jahr alle Kambodschaner. Mehr als 100.000 neue Wähler haben sich während der ersten Woche für die Landeswahlen 2013 registriert, so der Leiter des Landeswahlkomitees. Insgesamt rechnet der Generalsekretär des Komitees, Tep Nytha, mit 610.000 registrierten Wählern. Seitdem das Komitee Informationszentren in den Provinzen eingerichtet hat, wurden 30.000 doppelte Namen aus den Wählerlisten gestrichen. Tep Nytha sagt, dass das NEC mehr als 141.000 doppelte Registrierungen vermutet.

Landdispute außer Kontrolle in den Gemeinden Borei Keila und Boeung Kak in Phnom Penh.  Unterstützer protestierten vergangene Woche vor dem Justizministerium, um für die Freilassung der Aktivisten Tim Sakmony und Yorm Bopha aus der Untersuchungshaft im Prey Sar Gefängnis zu demonstrieren. Seit 2005 landen sie wegen ihres Kampfes gegen die Zwangsprivatisierung ihrer Grundstücke immer wieder im Gefängnis. Bopha wurde vergangene Woche verhaftet, weil sie  gegen einen Mototaxi-Fahrer, der von seiner Gewerkschaft unterstützt wird, vorsätzlich Gewalt angewendet haben soll.

„Lokale Pharmafirma expandiert“ und Autos made in Cambodia“ waren die Wirtschaftsschlagzeilen der Woche. PharmaProduct Manufactur­ing, Kambodschas nach eigengen Angaben erste Pharmawirkstoffanlage, will in andere Länder des Verbands Südostasiatischer Nationen (Asean) exportieren, wenn der Asean-Rahmenvertrag 2015 beschlossen wird. Das Unternehmen produziert seit 1996 Pharmaprodukte und beliefert auch die frankophonen afrikanischen Länder.

In drei Jahren soll ein durch und durch kambodschanisches Auto in der Region Preah Sihanouk gebaut werden. Der britische Autohersteller BIW hat am Freitag eine Beteiligung in Höhe von 2 Millionen US-Dollar mit ACICA Automotive (Cambodia) unterzeichnet. Der aus nicht-importierten Teilen gefertigte Wagen soll etwa 7.000 US-Dollar kosten und in andere Asean-Staaten exportiert werden. Auf einem 1.000 Hektar großen Gelände sollen etwa 250.000 Autos pro Jahr zusammengeschraubt werden und Angestellte sowie Zulieferer untergebracht werden. Derzeit  liegt Kambodschas Nachfrage zwischen 2.500 bis 3.000 Verkäufen pro Jahr.