Die Schusswechsel zwischen der thailändischen und kambodschanischen Armee am Weltkulturerbe Preah Vihear führten in den vergangenen Jahren zu einem sechsstelligen Rückgang der Besucherzahlen. Auch das deutsche Auswärtige Amt rät bisher „dringend“ von Reisen zur Tempelanlage ab. Das könnte sich nun ändern, da die ersten Truppen aus der Region abgezogen werden. 

Blog Sarah ThustAm Fuß der Dângrêk-Berge feiert die kambodschanische Armee heute „einen historischen Tag“, sagt Verteidigungsminister Tea Banh. 485 Soldaten werden zurück nach Hause geschickt und durch 255 bewaffnete Polizisten sowie 100 Wachmänner ersetzt. „Ich bin sehr glücklich, dass ich nun wieder mit meinen Eltern zurück in meine Heimatstadt Battambang fahren kann“, erzählt einer der Soldaten. „Ich bin 2008 nach Preah Vihear geschickt worden, um die Grenze meines Landes zu verteidigen. An das Risiko, erschossen zu werden, habe ich mich mittlerweile gewöhnt.“ Nun könne er weit von der Grenze entfernt auf der Reisfarm seiner Familie arbeiten.

Mit dem Beschluss werden aber noch nicht alle Soldaten abgezogen. Das Verteidigungsministerium konnte jedoch gestern keine Angaben machen, wie viele Soldaten vor Ort bleiben. „Es handelt sich um eine endgültige Entscheidung, die aber auch gehört und verstanden werden muss“, sagt Yara Suos, der Vizevorsitzende des Sekretariats für Friedenskoordination. Der thailändische Sprecher des Außenministeriums Thani Thongpakdee bestätigte zwar bisher, dass sein Land die Truppen „umstrukturieren“ würde, konnte aber noch keine konkreten Zahlen nennen.

Die thailändischen und kambodschanischen Truppen bekämpfen sich seit 2008, da beide Länder das 4,6 Quadratkilometer große Territorium um das Weltkulturerbe für sich beanspruchen. Diesem Streit fielen bisher rund 20 Soldaten auf beiden Seiten zum Opfer, darunter auch Zivilisten. Die letzten Schüsse fielen im Juli 2011. Dennoch setzte sich das Kräftemessen in den vergangenen Monaten fort. Experten sahen jedoch bereits in der Wahl von Yingluck Shinawatra zur Premierministerin ein gutes Signal. Während ihr Vorgänger Samak Sundaravej mit Premierminister Hun Sen in ständiger Konkurrenz stand, so ist Yinglucks älterer Bruder ein alter Bekannter.

So kam es dazu, dass die beiden Premierminister vergangene Woche die Grundsatzvereinbarung trafen, ihre Truppen aus der 17,3 Kilometer großen provisorisch Entmilitarisierten Zone abzuziehen. Dies sollte jedoch bereits vor einem Jahr nach der Anweisung des Internationalen Gerichtshofs geschehen. Das Gespräch der Premierminister fand ohne die vom Gerichtshof bestellten Mediatoren aus Indonesien statt.

„Die Verlagerung der Truppen ist ein wichtiger Schritt für den Tourismus in der Region“, sagt Denis Schrey, der Leiter des Auslandsbüros Kambodscha der Konrad-Adenauer-Stiftung. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes bestätigte, dass Bundeskanzlerin Merkel gestern mit der thailändischen Premierministerin in Berlin das Verhältnis der beiden Nachbarn besprochen habe. Die Reisewarnung für die Region werde das Auswärtige Amt jedoch noch nicht aufheben. „Dies kann nur nach Feststellung einer faktischen Veränderung erfolgen, die tatsächlich zu einer geminderten Gefahrensituation für Touristen führt“, sagte der Sprecher.

Touristen müssten sicher und konfliktfrei reisen können, sagte die thailändische Premierministerin Yingluck Shinawatra am Freitag, nachdem sie das Abkommen mit Kambodscha zur Verlagerung der Truppen unterzeichnet hat. Im Jahr 2011 sank die Zahl der Touristen in Preah Vihear von 130.000 im Vorjahr auf 125.000. Darunter sind nur wenige Ausländer. Für eine konkrete Stellungnahme war das Tourismusministerium gestern jedoch nicht zu erreichen.

„Ich habe große Hoffnungen, dass ich bald mehr Touristen in unsere Tempelanlage führen kann. Derzeit betreue ich drei bis fünf Gruppen pro Woche. Aber ich traue dem Frieden noch nicht“, sagt Touristenführer Oeu Sotheat. Gastwirtin Mou Samoeun hingegen sieht in der geplanten Straße zwischen Stung Treng und Preah Vihear größere Chancen für den Tourismus. „Ich weiß nicht, ob der Tempelbesuch durch den Truppenabzug sicherer wird, aber die neue Straße wird den Zugang zu der Bergregion erleichtern.“