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Dialyse-Patientin: So lange warte ich auf eine Organspende

Dialyse-Patientin: So lange warte ich auf eine Organspende

Eine Dialyse-Patientin aus Niedersachsen wartet seit Jahren auf eine neue Niere. Natürlich wünscht sie sich einen Spender, sagt sie. Doch sie versteht auch jene, die sich dagegen entscheiden.

t-online.de NewsFranzi verbringt im Schnitt hundert Stunden pro Monat bei irgendeinem Arzt. Sie lebt im Raum um Hannover und möchte lieber anonym bleiben. Fast täglich geht sie zur Dialyse, zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt, zum Zahnarzt oder einem anderen Spezialisten. Obwohl sie erst 29 Jahre alt ist, leidet sie an einer Niereninsuffizienz. Bekommt sie keine Spenderniere, bleibt sie ihr Leben lang krank.

Im Februar ist es acht Jahre her, dass Franzi ihre Diagnose erhalten hat. „Das hat mir damals den Boden unter den Füßen weggerissen. Ich dachte anfangs, ich würde sterben. Dabei war ich gerade mal 21, steckte mitten in der Ausbildung“, sagt sie t-online.de. „Erst später habe ich verstanden, dass ich mit den Dialysen weiterleben kann. Und dass mit einer Organspende alles wieder gut werden könnte.“

Franzi wartet seit acht Jahren auf eine Spenderniere

Seitdem wartet sie auf eine Spenderniere. Nach der Diagnose sagten ihr die Ärzte, dass sie wohl sechs bis acht Jahre warten müsste. Dann kam der Organspende-Skandal – und viele Spender in Deutschland verloren das Vertrauen. Franzis Ärzte korrigierten die Schätzungen: Jetzt werde sie wohl acht bis zwölf Jahre warten müssen.

Franzi nimmt es jenen nicht übel, die nicht spenden wollen. „Klar, jeder darf mit seinen Organen machen, was er möchte“, sagt sie ruhig. „Aber ich wünsche mir vor allem, dass sich die Leute erstmal intensiv Gedanken machen, ob sie Organspender werden wollen oder nicht. Das ist mir wichtig. Damit nimmt man doch auch später den eigenen Angehörigen diese schwierige Entscheidung ab.“

Sie geht zu einem Arzttermin nach dem anderen

Trotzdem hofft sie weiter auf eine Spenderniere. So wie es jetzt ist, könne sie sich kaum etwas aufbauen, sagt sie. Vor etwa fünf Jahren musste sie aufhören zu arbeiten. Seitdem erhält sie Erwerbsminderungsrente. Sie würde zwar gern etwas dazu verdienen, doch sie findet derzeit keinen Nebenjob.

„Das reicht gerade mal für das Nötigste. Was übrig bleibt, gebe ich oft für Vitamine oder Medikamente aus, die die Kasse nicht übernimmt. Dabei würde ich auch gern mal in den Urlaub fahren oder mir was leisten, doch das ist nicht drin.“

Die Krankheit hat Franzis Leben komplett verändert. Jeden zweiten Tag muss sie zur Dialyse – viereinhalb Stunden lang. Die Dialyse, sagt sie, erschöpft manchmal so sehr wie ein Vollzeitjob auf der Baustelle. „Für Außenstehende ist das schwierig, sich da rein zu versetzen. Manchmal kommt es da vor, dass jemand sagt: ‚Ach, du kannst doch jetzt noch was machen.‘ Ich muss dann sagen: ‚Nein, das kann ich leider nicht.'“

Autorin | Sarah Thust

Zuletzt aktualisiert | 14.01.2020

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