Ob „Ziegenficker“ oder „schwäbische Arschwarze“ – bei der Diskussion um Jan Böhmermann und die Schmähkritik-Satire zum türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan geht es um Politik. Die Grenzen der Satire spielen nur eine kleine Rolle, denn die stehen eigentlich schon lange fest. Ein Beispiel ist die „Taz“-Satire zum PUR-Sänger Hartmut Engler aus dem Jahr 2003.

Ξ Ein Kommentar Ξ

Blog Sarah ThustIn der Ausgabe vom 3.9.2003 druckte die Zeitung auf Seite 20 einen ziemlich fiesen Satire-Bericht über den Frontmann der deutschen Kuschel-Pop-Band mit der Überschrift: „​hartmut engler: schleimen, bis die frauen brechen“. Darin bezeichnete der Autor Engler unter anderem als „schwäbische Arschwarze“. Er kommt zu dem Schluss: „Wenn das Kotzen einen neuen Namen bräuchte, es könnte Englern heißen.“

Der PUR-Sänger hielt still, doch ein Leser beschwerte sich beim Presserat, ein Gremium für die freiwillige Selbstkontrolle gedruckter Medien. „Mit Journalismus haben solche niveaulosen Beschimpfungen nichts mehr zu tun.“ Der Mann / die Frau sah darin sogar einen Angriff auf die Menschenwürde.

Der Presserat entschied: Diese Satire ist eine zulässige Meinungsäußerung.

Sicher wusste auch Hartmut Engler, dass er mit einem Strafgesuch wegen Beleidigung (§185) nicht weit gekommen wäre. Und warum sollte er riskieren, dass der Text dadurch noch prominenter wird? So verlief die Sache im Sand und die „Taz“ nahm bald andere „Promis“ auf’s Korn.

Im Fall ​Erdoğan ist das anders. Ihm geht es nicht um verletzten Stolz, sondern um sein politisches Machtspiel. Er will Gewinn aus der Situation schlagen und spielt dafür mit den westlichen Werten.

Dafür beruft er sich auf den Schah-Paragrafen“ 103 und auf §185 wegen Beleidigung. Doch am Ende entscheidet nur einer: die Justiz. Und die lässt sich von all dem Rummel nicht beeindrucken.

Aber was wird aus Jan Böhmermann? Der darf sich freuen, denn dank ihm wird ein längst überholter Gesetzestext abgeschafft. Satire kann alles!