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Bella Ciao: Demonstranten in aller Welt singen dieses Lied

Bella Ciao: Demonstranten in aller Welt singen dieses Lied
Ob in Europa, Asien oder Amerika: 2019 sangen Demonstranten weltweit das Lied "Bella Ciao". So mancher glaubt, dass der Song wegen einer Netflix-Serie Karriere machte. Doch das stimmt so nicht. © Netflix

Ob in Europa, Asien oder Amerika: 2019 sangen Demonstranten weltweit das Lied „Bella Ciao“. So mancher glaubt, dass der Song wegen einer Netflix-Serie Karriere machte. Doch das stimmt so nicht.

t-online.de NewsDie „Sardinen“ mischen Italien auf und jeder singt mit: „Oh, Partisanen! Nehmt mich mit euch. Bella ciao, bella ciao, bella ciao, ciao, ciao!“ Die „Sardinen“, das ist eine Protestbewegung, die seit November zu Tausenden durch italienische Städte zieht. Die Menschen, die ihr angehören, sind gegen Rechtspopulismus und den Parteichef der rechten Lega-Partei Matteo Salvini.

Das Lied, das die italienischen Demonstranten singen, ist ein idealer Protestsong. Warum, erklärt eine Expertin t-online.de.

Demonstranten singen „Bella Ciao“ auf der ganzen Welt – wie das aussieht, sehen Sie im Video bei t-online.de.

„Bella Ciao“ ist längst weit über die italienischen Grenzen hinaus bekannt. Demonstranten in aller Welt singen das Lied. Im Internet kursieren Videos aus DeutschlandIndien, Hongkong, dem Libanon und aus Chile. Die Liste der Länder ist lang. Kurdische Kämpfer in Syrien singen die Melodie schon seit 20 Jahren. Sie haben ihre eigene Version von „Bella Ciao“.

Das Protestlied ist ein Phänomen, für das es auf den ersten Blick eine simple Erklärung gibt. Der Song kommt mehrfach in einer beliebten Netflix-Serie vor. 2018 veröffentlichte der Streaming-Anbieter die spanische Serie „Haus des Geldes“. Die Helden sind Bankräuber, die einen Teil ihrer Beute im Robin-Hood-Stil verteilen. Vor ihren Raubzügen singen sie „Bella Ciao“.

Wie wird ein Lied zum Protestsong?

Die Serie „Haus des Geldes“ wurde zwar schnell zum weltweiten Klick-Hit, „Bella Ciao“ wurde unter anderem in Deutschland Sommerhit des Jahres 2018. Aber wird das Lied deswegen so oft bei Massendemonstrationen gesungen?

„Nein, die Serie allein erklärt das sicher nicht“, sagt Sozialwissenschaftlerin Nina-Kathrin Wienkoop. Es gebe andere Kriterien für den Erfolg eines Protestsongs. Für ihre Doktorarbeit hat sie sich mit Jugendbewegungen und Protestsongs beschäftigt. Inzwischen leitet sie am Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung ein Projekt zu Jugendengagement.

„Bei solchen Gesängen geht es darum, die Motivation der Gruppe aufrechtzuerhalten. Darum sollte der Song einen einfachen Refrain haben, den jede oder jeder singen kann. Und eine eingängige Melodie“, erklärt Wienkoop.

„Ein Song, der schon lange existiert, hat außerdem eine noch bessere Chance. Bei ‚Bella Ciao‘ ist das zum Beispiel so. Er wurde im Zweiten Weltkrieg zum Widerstand gegen den Faschismus gesungen. Es gibt also schon eine inhärente Widerstandsgeschichte und das ist auch international bekannt.“

In Italien trifft das zu, wo Demonstranten mit dem Lied gegen Rassismus auf die Straße gehen. Auch in Indien, Deutschland und in Frankreich erklingt die Melodie bei Protesten gegen Rechtsradikalismus und -populismus. Anders ist es im Libanon, Hongkong oder im südamerikanischen Chile. Dort richten sich die „Bella Ciao“-Gesänge eher gegen soziale Ungleichheit und Ungerechtigkeit.

Ein Lied muss sich verändern

In diesem Jahr ist „Bella Ciao“ in so vielen Ländern aufgetaucht, dass es inzwischen auch unzählige Versionen davon gibt. Der Liedtext in Indien ist beispielsweise kämpferischer als im Original. Dagegen hat Mike Singer in Deutschland eine Version produzieren lassen, die mit oberflächlichen Hip-Hop-Beats funktioniert. Im Libanon singt die ehemalige „Miss Earth“ Shiraz ihre Version selbst bei den Demonstrationen.

Expertin Nina Wienkoop erklärt, dass solche Veränderungen für Protestsongs wichtig sind. Sie müssten an den lokalen oder nationalen Kontext angepasst werden – sprachlich oder musikalisch. „Die Songs werden verändert, damit sich besser damit identifiziert werden kann“, sagt die Sozialwissenschaftlerin.

Welchen Anteil die sozialen Medien an der Verbreitung von „Bella Ciao“ gehabt haben, kann Wienkoop nicht sagen. Das sei weitestgehend unerforscht. Doch ein Blick in Forschungsarbeiten aus anderen Fachgebieten zeigt: Die sozialen Medien tragen natürlich dazu bei, dass Videos und Texte weltweit schneller bekannter werden. Doch ein Protestlied entsteht allein dadurch nicht.

Sie wollen weiterlesen? Das Original finden Sie auf t-online.de.

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AutorInnen | Sarah Thust

Zuletzt aktualisiert | 20.12.2019

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